WIe wir verkosten


Wer sich die Zeit nimmt diesen Text zu lesen, wird vielleicht einiges über unsere Art zu verkosten erfahren, das später dabei hilfreich sein kann zu verstehen, wie wir unsere Verkostungen aufbauen. 

 

Was ich gleich zu Beginn bemerken möchte ist, dass wir die von uns verkosteten Whiskys keiner Bewertung unterwerfen werden. Wir genießen unser Lebenswasser und schreiben schlicht das auf, was wir dabei sehen, riechen, schmecken und fühlen. Dabei schreiben wir auch gerne kritisch, werden aber davon absehen, eine Bewertung à la "vier von fünf Sternen" abzugeben. Whisky ist und bleibt Geschmackssache. Und das respektieren wir.

Nur weil uns ein Whisky schmeckt, heißt das noch lange nicht, dass jemand anderes ihn ebenfalls lecker findet. Und das ist genau richtig so.

 

Da wir der festen Überzeugung sind, dass das Glas sehr wichtig für die Entfaltung des Geruchs eines Whiskys ist, erwähnen wir stets, welches Glas wir benutzten. Entscheiden tun wir dies nach der spontanen Art. 

 

Wer also glaubt, ein Whisky kann nicht hochwertig sein und dies nur daran fest macht, dass wir ihn aus einem Tumbler anstatt aus einem Nosing-Glas getrunken haben, der irrt.

 

Unsere finalen Verkostungsnotizen sind eine Zusammenstellung der Notizen, die jeder für sich während einer Verkostung notiert. Wir tragen sie schlicht zusammen und lassen sie so stehen. Überschneidungen werden pro getrunkenem Whisky natürlich nur einfach erwähnt.

 

Das Verriechen

 

Ungefähr 80 Prozent unserer Tastings verbringen wir damit, den Whisky zu verriechen. Wir finden diese Beschäftigung teilweise so toll, dass wir gar nicht mehr damit aufhören möchten. Dem Trinken gegenüber hat das Verriechen den klaren Vorteil, dass es zeitlich theoretisch nicht begrenzt ist, während man den Whisky, den man im Munde hin und her wiegt, irgendwann einmal schlucken sollte. Wer dies bei Fassstärken zu lange hinauszögert, der hechelt am Ende zurecht.

Für uns beginnt die Entspannung spätestens dann, wenn wir genüsslich unsere Nasen in die Gläser halten und über die aufgenommenen Aromen philosophieren können. Unter anderem deswegen, hat das Verriechen für uns einen enormen Stellenwert. Wir könnten stundenlang an einem guten Whisky riechen. Und das tun wir auch!

 

Der „Last Drop“

 

Whisky hat es an sich, nach dem letzten Schluck nicht gänzlich aus dem Glas verschwunden zu sein. Wir drehen unsere Gläser wenn sie (augenscheinlich) leer sind um neunzig Grad und warten, bis sich eine kleine „Pfütze“ im Bauch des Glases gebildet hat. Nach einigen Augenblicken verkosten und notieren wir auch diesen letzten Tropfen, den "Last Drop" also, da wir der Überzeugung sind, dass hierin die Quintessenz eines Whiskys steckt. Sein Grundcharakter. Oftmals lassen sich die Geschmäcker, die einem beim "Last Drop" über die Zunge huschen, zu einer Überschrift dessen zusammenfassen, was wir in den eigentlichen Verkostungsnotizen niedergeschrieben haben. Wir nennen das „Sezieren“.

 

Wir stoßen mit unseren Whisky-Gläsern übrigens fast nie an. Das liegt nicht unbedingt daran, dass es als verpönt gilt, sondern ist im Zuge der Globalisierung eher daran festzumachen, dass wir unsere Verkostungen in gut 99 Prozent der Fälle per Skype-Videochat durchführen. Da München und Stuttgart nicht nahe genug beisammen liegen um sich allwöchentlich zusammenzufinden, denken wir, dass dies ein guter Weg ist. Samples hin und her schicken freilich mit inbegriffen.

Außerdem muss man sich nicht fein anziehen um das Haus zu verlassen. 

   

In diesem Sinne wünschen wir euch viel Spaß beim Lesen unserer Verkostungsnotizen!

 

Slàinte, Prost und Cheers!

 

Manu und Nick