Interview mit Werner Huber von der Brennerei Feller

Wann fiel die Entscheidung Whisky zu brennen und warum?

 

Die Entscheidung Whisky zu brennen fiel 2008. Der Grund dafür war der Wunsch, eine Verschlussbrennerei anzuschaffen, sodass es uns gestattet war, bayrisches Obst zu verarbeiten, da wir genau auf der Grenze liegen. Aus diesem Grunde war die Variante einer Abfindungsbrennerei nicht möglich.

 

Und wenn man eine Verschlussbrennerei hat, liegt es nahe, dass man auch Dinge wie Whisky, Rum oder Wodka produziert.

Und weil es natürlich eine spannende Geschichte ist. (lacht)

 

Was fasziniert Sie an Whisky?

 

An Whisky faszinieren mich die Möglichkeiten die man hat. Man kann mit verschiedenen Getreidesorten arbeiten, mit verschiedenen Hefen arbeiten. Aber das Spannendste ist natürlich das Fass-Management.

 

Woher beziehen Sie denn Ihre Fässer?

 

Die Fässer kommen eigentlich von überall her. Die Grundreifung ist immer in amerikanischer Weißeiche, Bourbon-Fass. Heaven Hill, Early Times, Jack Daniel's oder auch Jim Beam.

 

Zudem benutzen wir Sherry-Fässer aus Spanien, Madeira-Fässer von der Insel Madeira, Amarone-Fässer aus Italien, Valpolicella, Porto: Portwein-Fass. Zu Hause lagern außerdem Sauternes-Fässer, also jegliche Richtung.

 

Sie kommen aus der Branche der Obstbrenner. Wenn Sie mal gewichten: Welchen Anteil hat Whisky im Vergleich zu anderen Produkten Ihrer Brennerei?

 

Whisky macht bei uns etwa 70 Prozent aus.

 

Wo sehen Sie die Sparte Whisky und damit verbunden auch Ihr Unternehmen in zehn Jahren?

 

Ich denke, dass der deutsche Whisky noch über Jahre ein regionales Produkt bleiben und kein überregionales Produkt werden wird. Dazu sind wir von der Ausstoßmenge her einfach zu klein.

Es ist auch ganz gut, dies regional zu vermarkten, da Whisky immer mehr im Kommen ist. Und wir setzen einfach auf qualitativ absolut hochwertige Produkte, weshalb es für uns selbstverständlich ist, dass man davon keine Millionen Liter herstellen kann.

 

Wenn Sie außerhalb Ihres eigenen Sortiments Whisky trinken, welcher kommt Ihnen dann am liebsten ins Glas?

 

Ich persönlich trinke lieber irischen Whiskey, weil er sauberer destilliert ist. Im Regelfall ein ganz normaler Jameson. Das hat einfach den Grund, dass man, wenn man seine Sensorik ein wenig trainert, mit der Zeit ein Problem mit sogenannten höheren Begleitalkoholen bekommt, früher auch Fuselalkohole genannt. In einem Zweifach-Brennverfahren, Pot-Still, Raubrand, Feinbrand, sind diese immer enthalten. Darum destillieren wir auch sechsfach, sodass keine Methylalkohole im Destillat enthalten sind. Das ist schlicht ein chemischer Fakt, der sich nicht wegdiskutieren lässt. Je säuberer man destilliert, desto kürzer wird die Lagerzeit.

 

Entstand daher auch die Idee der sechsfachen Destillation?

 

Genau! Der Geschmack des Whiskys hat nichts mit dem Alter zu tun. Gar nichts. Das ist unsere Meinung und darauf richten wir auch unsere Produkte aus.

 

Kann man sagen: Ihr Sortiment ist jung und bleibt jung?

 

Vorerst ja. Unsere Whiskies sind zwischen drei und sechs Jahren alt. Wir haben einfach festgestellt, dass bei unseren klimatischen Bedingungen, mit unserem hochpronzentig, sauber destillierten Alkohol, die Produkte nach fünf bis sechs Jahren im Fass schlicht holzig werden. Die Fassreifung ist nach vier Jahren abgeschlossen. Danach passiert von der Alkoholreife her relativ wenig. Es werden noch gewisse Aromen aus dem Holz gezogen. Doch wenn man dies überdenht, kann man das Produkt schlicht und einfach wegschütten. Ungenießbar.

 

Brennen Sie all Ihre Whiskies sechsfach oder gibt es einen speziellen, der diesem Verfahren unterzogen wird?

 

Jeden Whisky, jeden Rum und inzwischen auch alle Obstbrände.

 

In Ihrem Sortiment befindet sich auch Gin. Hat dies mit dem aktuellen Trend zu tun?

 

Wir machen schon seit 15 Jahren Gin. Damals gab es noch gar keinen Hype darum. Wir haben damals schon Gin hergestellt, denn ein Gin ist nichts anderes als ein Wacholder-Destillat und das wird auch immer so bleiben.

 

Muss man Lehrgeld zahlen, wenn man versucht sich auf dem Whisky-Markt zu etablieren?

 

Wenn man seit 1820 Destillate herstellt wie wir, dann weiß man eigentlich schon vorher was man tut. Als wir unseren ersten Whisky produziert und nach drei Jahren aus dem Fass genommen haben, war uns ganz klar, dass wir ein gutes Produkt haben.

Wir haben folglich die Destillate nach Wien geschickt und dort die Goldmedallie mit Höchstpunktzahl gewonnen. Da wussten wir, dass wir nichts falsch gemacht haben.

Denn wenn man auf einer Obstbrennanlage ganz feine Obst-/Esther-Aromen, wie zum Beispiel bei einem Williams oder aus einer Blutorange destillieren kann, dann kann man das mit einem Getriede schon lange. (lacht)

 

Welchen Whisky aus Ihrem Sortiment würden Sie mir spontan empfehlen und warum?

 

Das ist unser Whisky „Valerie“ Single Malt. Vier Jahre alt, aus einem italienischen Amarone-Fass. Die Grundreifung fand drei Jahre in einem Jack Daniel's-Bourbon-Fass statt und ein jahr in einem italienischen Amarone-Fass. Das ist momentan der weltweit einzige Whisky aus einem Amarone-Fass, da die Destillerie Arran aktuell keine Fässer zur Verfügung hat. Dieser Whisky ist außerdem in Jim Murray's Whisky Bilble zu finden und hat dort 95,5 von 100 möglichen Punkten bekommen und gehört damit zu den drei Prozent der besten Single Malts weltweit.

 

Verkostungsnotizen zum "Valerie" Single Malt finden Sie in unserer Rubrik "Verkostungsnotizen".

 

Genauere Informationen über die Brennerei Feller finden Sie hier: 

http://brennerei-feller.de/

 

Interview von Manu 

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