Interview mit Thomas Dannenmann, Dannes Whisky

Das Interview wird direkt von Herrn Dannenmann eröffnet.

 

Im Glas haben wir meinen Single Grain, „Dannes Single Grain“, auf Basis Roggen/Weizen, mit fünfzehn Prozent Gerstenmalz. Das Malz ist mit drin, um die Enzyme zu bringen, sodass die Verflüssigung und Verzuckerung überhaupt in Gang gebracht werden. Außerdem bringt sie noch ein wenig Aroma mit. Wir trinken hier die Fassstärke-Version mit 53,3 Volumenprozenten in der Flasche, als achtjähriger Whisky. Es handelt sich um eine Komposition aus vier verschiedenen Fassarten, nämlich deutscher Eiche, mittel getoastet, Bourbon-, Portwein- und Sherry-Fass.

So ergibt sich ein recht komplexes Aromabild.

 

Wann haben Sie damit begonnen Whisky zu brennen und warum?

 

Die Grundidee wurde von meinem Schwiegervater Fritz Beller entwickelt. Er ist auch der Gründer des Hofs, sprich des Bellerhofs. Die Grundlage eines jeden Whiskys ist ein Kornbrand. Der Kornbrand selbst war schon immer Bestandteil der Brennerei, die seit 1925 existiert. Ausschlaggebend war letztendlich aber ein Ausflug des Obst- und Gartenbauvereins nach Schottland. Damals sind die alten Herren nach Schottland getingelt und haben gesehen, dass es den Mythos „Whisky brennen“ gar nicht gibt, sondern, dass auch dort nur ein Korn gebrannt und ins Fass gelegt wird. Danach wird er teuer verkauft. Als die Herren das realisiert haben, war die einhellige Meinung: Das können wir auch! (lacht)

 

Das war dann der Entstehungspunkt im Jahr 1990, an dem wir gesagt haben: Okay, der Kornbrand liegt vor, wir kaufen uns einfach mal ein Fünfzig-Liter-Fass, es waren dann sogar zwei Fünfzig-Liter-Fässer. Schlichte deutsche Eiche, eines davon nicht getoastet, eines davon mittel getoastet und das waren die Anfänge. Noch nicht zwingend genießbar, aber der erste Schritt war getan.

 

Woher beziehen Sie Ihre Fässer?

 

Zwischenzeitlich beziehen wir unserer Fässer nur noch von der Firma Eder in Bad Dürkheim. Ich glaube, das ist Deutschlands größter Fass-Importeur mit eigener Küferei. Dort gibt es eine riesige Auswahl an Fässern. Man findet das, was man braucht, man kann selbst vorbeigehen.

Ich kaufe meine Fässer nach Nase. Das heißt: Spundloch öffnen und hineinriechen. Wenn es dann meinen Vorstellungen entspricht, kaufe ich es.

 

Was kostet denn ein Fass ungefähr?

 

Wenn man beispielsweise ein gebrauchtes Bourbon-Fass benutzt, das in den USA gemäß den Vorschriften nicht mehr verwendet werden darf, dann kann man bei einem 190-Liter-Fass im günstigsten Falle mit ungefähr 220 bis 250 Euro pro leerem Fass rechnen. Wenn man sich europäische, beziehungsweise deutsche Eiche anschaut, neues Fass, 225 Liter, dann bezahlt man gut und gerne zwischen 600 und 700 Euro. Sherry- und Portwein-Fässer liegen zwischen 400 und 800 Euro.

 

Wie viele Whisky-Fässer lagern denn aktuell bei Ihnen?

 

Gute Frage. Da muss ich überlegen. Momentan müssten 42 bis 44 Fässer im Keller liegen.

 

Gäbe es Kapazitäten für mehr?

 

Also im Moment lagern bei mir ca. 6.000 Liter Whisky im Keller. Ich denke für eine Kleinbrennerei ist das eine recht ordentliche Menge.

 

Wo sehen Sie Ihren Whisky in zehn Jahren?

 

Mein Versuch wird sein, eine Grundstabilität zu halten, was den Malt und Grain betrifft. Wobei das für einen Kleinbrenner immer recht schwierig ist. Man braucht ein gewisses Aromabild im Kopf, um dementsprechende Fässer zu wählen. Auch die Dauer der Lagerung in den Fässern.

Aber mein Hauptschwerpunkt soll es immer sein, Spezialitäten zu bringen. So, wie wir jetzt vor einigen Minuten einen Madeira gereiften Whisky verkostet haben, eine Einzelfassabfüllung. Und hier sehe ich letztendlich die größte Chance für meine kleine Brennerei, sich über Einzelfässer einen Namen zu erarbeiten, der dann auch einen gewissen Absatz garantiert. Es geht folglich nicht darum, mit den Großen mithalten zu wollen, die immer das Gleiche produzieren, sondern tatsächlich variabel zu bleiben.

 

Ist es Ihr Ziel, sich überregional, deutschlandweit oder gar im Ausland zu etablieren?

 

Überregional: Ja. Außerhalb Deutschlands: Nein. Und zwar deshalb nicht, weil es meiner Brennrechtsart widerspricht. Ich darf nicht ins Ausland exportieren, da wir in der Branntweinsteuer dezent privilegiert sind. Der normale Branntweinsteuersatz liegt bei 13,03 Euro hier in Deutschland, während die Abfindungsbrennerei bei 10,22 Euro liegt. Diesen kleinen Vorteil bezahlt man eben damit, dass man nicht international werden darf.

 

Würden Sie international werden, wenn Sie es rechtlich könnten?

 

Dann müsste ich eine andere Brennerei bauen, nämlich eine Verschlussbrennerei, müsste dementsprechend in eine Größe gehen, die aufgrund meines Alters für mich nicht in Frage kommt. Whisky ist einfach eine dauerhafte Geschichte. Wenn ich sechzig bin, dann wird es bei uns den ersten Zwölfjährigen geben. Dann möchte ich den Zwölfjährigen als Standard im Sortiment haben. Allerdings bin ich dann eben schon sechzig. (lacht)

Ich werde also vom heutigen Stand aus nicht mehr investieren. Wir wohnen wunderschön, ein wenig außerhalb einer Gemeinde und unterliegen somit Landschafts-, Vogelschutz- und anderen Schutzgebieten. Einen Neubau unter drei, vier Jahren Genehmigungszeit ist nicht möglich. Daher brauche ich mir so etwas gar nicht überlegen, wenn er denn überhaupt durchgehen würde.

 

Sollte aber die Nachfolgegeneration kommen und sagen: „Hey Vater, wir wollen und wir machen, wir bauen an den Rand des Industriegebiets.“, würde ich das jederzeit unterstützen, aber ich selbst von meiner Seite aus, definitiv nicht.

 

Wenn Sie außerhalb Ihres eigenen Sortiments Whisky trinken, was kommt Ihnen dann am ehesten ins Glas?

 

Meine! (lacht) Nein, Spaß beiseite. Ich bin tatsächlich sehr breit aufgestellt. Egal ob japanisch, irisch, schottisch, kanadisch. Aber es gibt im schottischen Bereich einen Whisky, den ich, wenn möglich, irgendwann einmal ähnlich nachmachen können möchte und das ist die Distiller's Edition von Lagavulin. Die Besonderheit an diesem Whisky ist aus meiner Sicht... also Rauch können viele. Aber Rauch ist für meine Begriffe ziemlich plump. Hoher Peated-Anteil. Fertig.

Aber die Lagavulin Distiller's Edition hat es geschafft, eine sehr geile Fruchtnote zu bringen. Und zwar in der Nase. Auf der Zunge wird er wahnsinnig rauchig und im Nachklang wird er wieder zuckersüß. Dieser Whisky hat eine Kombination, die mir absolut gefällt. Ein toller Whisky!

 

Ist der Dannes Single Grain Ihr Lieblings-Whisky aus dem eigenen Sortiment?

 

Ja.

 

Warum?

 

Durch die Komplexität, die er an den Tag legt. Man kann mit diesem Whisky einen ganzen Abend zubringen. Natürlich benötigt man dann vier bis sechs cl. Wenn der Whisky im Glas atmen kann, dann kann man stetig neue Aromen und Facetten feststellen. Wenn ich dann noch mit einer Pipette, sprich mit einem Tropfen Wasser arbeite, wird es noch vielfältiger. Und aus diesem Grunde finde ich ihn super spannend und super komplex.

 

Sie sind ein Urgestein. Gibt es so etwas wie ein Konkurrenzdenken zwischen Whisky-Brennern oder sehen Sie eher eine große Whisky-Familie in Deutschland?

 

Wir versuchen über den Verband der deutschen Whisky-Brenner, den wir vor guten zweieinhalb Jahren gegründet haben, schon, den Familiengedanken zu leben und aufzubringen. Die Schwierigkeit liegt tatsächlich darin, dass auf dem Markt mittlerweile viele unterwegs sind, die an diesem Hype „Whisky“ nur mitverdienen wollen. Da gibt es Leute, die importieren aus Schottland irgendwelche Reste, etikettieren um und nennen das Produkt dann deutschen Whisky. Und wenn solche Dinge passieren, ist es immer ein bisschen schwierig.

Die Spirituosen-Ordnung wird zwar eingehalten, denn es handelt sich um Whisky, allerdings wäre es schöner, sie würden sich als unabhängige Abfüller ausgeben und ihr Produkt mit eigenem Label, aber eben nicht als deutschen Whisky auf den Markt bringen. Solche Tendenzen gibt es leider. Und deshalb ist dieses reine Familiendenken etwas schwierig.

 

In unserem engeren Umfeld, so wie wir hier auf der Slow Food Messer in Stuttgart sind, ist das eine Familie. Man probiert gegenseitig, man gibt Tipps, um hier eine Weiterentwicklung zu bewirken. Aber ich sage immer, mit den ein, zwei, drei, vier, fünf schwarzen Schafen, die unterwegs sind, bei denen wir Angst haben, dass deren Verhalten sich insgesamt negativ auf das Image des deutschen Whiskys auswirken könnte, ist es eben schwierig. Wir wissen es nicht. Wir wissen nicht, wie sensibel der Verbraucher ist, wie viel er bemerkt, auf gut schwäbisch: Wie bschisse' willer wärra?

Wenn jemand heute eine Brennerei eröffnet und morgen schon einen fünfjährigen Whisky verkaufen kann, dann müsste es beim Verbraucher eigentlich klick machen und er sich sagen, dass dieses Produkt nicht aus dieser Brennerei stammen kann. Aber der Verbraucher ist hin und wieder auch etwas blauäugig. Und gutgläubig.

Aber dennoch: Das Ziel wäre eine große Whisky-Familie in Deutschland.

 

Denken Sie, dass manche nur deshalb damit begonnen haben Whisky zu brennen, weil der überschüssige Alkohol ab 2018 nicht mehr vom Staat aufgekauft wird?

 

Nein, nein. Diejenigen, die angefangen haben Whisky zu brennen, sind alle bereits vorher eingestiegen. Denn die meisten Brennereien, die ab 2018 davon betroffen sind, sind die reinen Obstabfindungsbrennereien. Diese dürfen so oder so kein Getreide brennen. Denen würde die Türe jetzt erst eröffnet. Denn ab 2018 wird dieses reine Obstbrennrecht aufgebohrt auf ein sogenanntes Gewerbliches Brennrecht. Und somit ist die Arbeit mit sogenannten Mehligen Stoffen, also mit Getreide, erst möglich. Das, was vorher nicht erlaubt war, dürfen sie ab 01.01.2018 ganz automatisch.

 

Erwarten Sie infolge dessen, dass noch mehr Brenner auf den Whisky-Markt drängen?

  

Ich gehe davon aus, ja. Es wird noch ein ordentliches Gedränge geben. Also ich weiß schon allein aus meiner Gegend, von zehn Leuten, die bei mir am „Make Your Own Whisky“-Seminar teilgenommen haben und die dort noch mit einsteigen wollen. Also im engsten Umfeld. Ich hoffe, dass der Markt das regelt. Da schauen wir mal.

 

Verkostungsnotizen zu Dannes Whiskies finden Sie im Bereich "Verkostungsnotizen".

 

Genauere Informationen über Dannes Whiskies finden Sie hier: 

https://dannes.de/whisky/

 

Interview von Manu

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