Interview mit Solvejg Klein von der Pralinenmanufaktrur Das Bernsteinzimmer

Stell' dich doch mal kurz vor.

 

Ich bin die Solvejg Klein, Gründerin, Herz und Kopf von Das Bernsteinzimmer, Deutschlands erster bioveganer Pralinenmanufaktur, mit dem Fokus auf die Entwicklung von Pralinen für Whisky, nicht nur mit Whisky.

 

Seit wann gibt es euch und wie entstand die Idee?

 

Wir haben uns im November 2015 gegründet, sind also ein noch sehr junges Unternehmen. Die ursprüngliche Idee war es, in Düsseldorf – wir kommen aus Wuppertal – ein Feinkost-Café/-Geschäft zu eröffnen, mit gutem Whisky, mit einem Kaminfeuer, mit ein paar guten Weinsorten und einer guten Kaffeemaschine, den dazu passenden Trüffeln und Pralinen und Tafelschokoladen. Wie das mit den Unternehmensgründungen so ist, kommt immer irgendwie alles anders, als man es geplant hat und deswegen haben wir jetzt erst einmal die Manufaktur gegründet, wo wir uns auf die Pralinen und die Schokolade fokussieren.

 

Heißt das, dass die Idee für ein Feinkost-Café noch nicht vom Tisch ist?

 

Nein. Es wird vermutlich noch ein wenig länger dauern. Wenn es nach mir gehen würde, würde ich das irgendwie auf der Isle of Skye gründen, da ich mich dort auf meiner Hochzeitsreise ein bisschen verliebt habe, aber das sind solche Träume. Mal sehen, was noch kommt. (lacht)

 

Ihr seid zu zweit?

 

Ja. Ich mach das Ganze und mein Mann Oliver unterstützt mich im Background mit dem ganzen Papier- und Bürokram. Außerdem haben wir noch jemanden, der uns mit Mediendesign und Social Media ein wenig hilft. Wir sind aber eine ganz, ganz kleine Manufaktur, ca. fünf Leute. Also hauptsächlich ich und vier Leute, die aushelfen.

 

Was hast du ursprünglich gelernt oder studiert?

 

Wenn man meinen gesamten Werdegang sieht, bin ich gelernte Mediengestalterin, mit Schwerpunkt auf Fotografie und Präsentationstechnik. Dann habe ich eine Ausbildung zur Fachkraft für Süßwarentechnik mit der Fachrichtung Konfekt bei Lindt und Sprüngli in Aachen gemacht. Ich sage immer Chocolatier, denn bei dem Andern, da hört ja keiner mehr zu.

Außerdem habe ich noch den Konditormeister gemacht, den Eismeister habe ich angefangen, eine Barista-Schulung habe ich gemacht, Küchenchefin bin ich gewesen, also viel.

 

Wo siehst du dein Unternehmen in zehn Jahren?

 

Also wenn das so weitergeht wie jetzt und es kommt dann doch immer alles anders als man denkt... ich kann dir die Frage wirklich nicht beantworten. Ich gehe davon aus, dass es uns noch gibt und wir dann auch ein paar Angestellte mehr haben, weil wir wesentlich schneller wachsen, als ich das irgendwie erwartet hätte, da die Nachfrage größer ist, als das Angebot. Wir bauen uns im Sommer auch schon weiter aus, sind schon in größere Räumlichkeiten umgezogen, aber ich kann nicht sagen, was in zehn Jahren ist.

 

Dann drehen wir's mal anders: Was würdest du dir wünschen?

 

Dass es uns noch gibt. Dass ich es mir dann finanziell leisten kann, mehr Urlaub zu machen und nicht jeden Tag zwölf bis achtzehn Stunden arbeiten muss. (lacht)

Dass ich die Arbeit ein Bisschen mehr koordinieren und mich mehr auf das Zusammenspiel Whisky und Pralinen konzentrieren kann. Außerdem hoffe ich, dass ich die Produktion bis dahin mit Festangestellten und Aushilfen regeln kann.

 

Wie findest du heraus, welche Praline zu welchem Whisky passt?

 

Das ist eine lustige Geschichte. In Bad Homburg gibt es einen Whisky-Pub, das Null Zwo, sehr, sehr großartiger Pub übrigens. Dort habe ich auch meinen ersten Whisky getrunken, damals 2012. Das war ein 18-jähriger Bowmore. Ich hatte einen etwas anderen Einstieg in die Whisky-Welt. Ich habe nicht mit Dalwhinnie oder so was angefangen. Und er hat mich dann angesprochen, ob ich eines seiner Whisky-Tastings mit Schokolade begleiten möchte. Er dachte wohl, ich gehe in den Supermarkt und kaufe Schokolade, die ich dann dazu reiche. Was ich gemacht habe: Ich habe die ganzen Whiskies vorher probiert und mir die Geschmacks-, Geruchsnoten und den Abgang aufgeschrieben, habe dann passend zu den Whiskies eigene Schokoladen und Pralinen entwickelt, die entweder im Kontrast standen oder die einzelnen Noten unterstützten oder auch hervorhoben. Also etwas ganz, ganz eigenes.

 

Wie kam es dazu, dass du Pralinen mit Whisky gemacht hast? Ich hatte vorhin eine wundervolle Praline von dir, mit einem Laphroaig 18, bei dem ich schon Angst hätte ihn zu verschütten, wenn ich nur die Flasche öffne. Du machst Pralinen damit – wie kam's?

 

Ich glaube, man darf einfach keine Angst vor Whisky haben. Das ist schon mal eine gute Grundlage. (lacht)

Wenn man mal in unseren Whisky-Schrank zu Hause schaut, in dem wir schon mal eine relativ gute Auswahl haben, dann muss ich einfach sagen, dass Whisky für mich keine Wertanlage, sondern ein Genussmittel ist und das möchte ich auch genießen. Und wenn ich finde, dass ein Whisky mit einer Schokolade harmoniert – und wenn ich Pralinen mache, dann steht für mich immer der Whisky im Vordergrund und ich suche Schokolade aus, die ihn unterstreichen und nicht abdecken – dann suche ich mir diesen Whisky aus. Weswegen in meinen Pralinen immer relativ viel Whisky drin ist. Sie sind nicht flüssig gefüllt, aber es ist ein guter Schwung mit drin. Nicht wirklich für Autofahrer geeignet also.

Die Idee: Ich stand vor unserem Schrank und dacht mir: Jo! DICH nehm' ich heute! DU bist heute dran! Und das war eben der Laphroaig 18.

 

Wie kam es zur Zusammenarbeit mit Steinhauser?

 

Ich mag die deutschen Destillerien sehr gerne. Ich finde auch, dass sie viel, viel, viel zu sehr unterschätzt werden. Da gibt es wirkliche Glanzstücke an Whisky. Es gibt auch ein paar schwarze Schafe, die nach Wurstwasser schmecken, aber es gibt eben auch Leute, die mögen Wurstwasser. Ich gehöre nicht dazu. Whisky ist Geschmackssache, wie immer.

 

Wir sind letztes Jahr auf der chocolART, Deutschlands größtem Schokoladenfestival gewesen und die für die Messe zuständige Dame hat uns an Steinhauser weitergeleitet. Wir haben mit einigen deutschen Whisky-Destillerien gesprochen und Steinhauser hat uns ihren Whisky zur Verfügung gestellt und mir dabei komplette Entwicklungsfreiheit gelassen. Aber das machen die meisten Destillerien. Und auch Tasting-Anbieter, mit denen ich zusammenarbeite. Die geben mir ihren Whisky, weil sie einfach wissen, dass ich etwas Gutes damit mache und ihn nicht verhunze. Wenn ich ihn verhunze, dann kaufe ich auf eigene Kosten etwas neues nach.

 

Verkaufen die Destillerien auch deine Pralinen?

 

Nein. Das hätten sie machen können, aber Steinhauser fand ihre geil, also haben sie beschlossen, sie für sich zu behalten.

 

Welche Pralinen aus deinem Sortiment, sagen wir mal zwei Sorten, würdest du mir empfehlen?

 

Auf jeden Fall die Praline mit dem Laphroaig 18, weil ich ihn dir eben mit der Salzcreme-Kuvertüre außen herum sehr ans Herz legen kann. Ich finde aber auch die Schokolade mit dem Benromach Organic sehr, sehr gut, weil die Schokolade außen herum aus einem speziellen Kakao besteht, und daher sehr herb ist. Deshalb steht sie sehr gut im Kontrast zum relativ süßen Whisky.

Wenn man Walnüsse mag, ist die Praline mit dem Steinhauser-Whisky genau richtig, da diese auf einem Walnuss-Mousse liegt und ein wenig in die Richtung Marzipan geht, um den Fruchtnoten und der süßlichen Banane ein wenig Kontrast zu bieten.

 

Was die Schokoladentafeln angeht, definitiv die Kakao-Nibs, die in Benromach Organic Special Edition durchgezogen wurden. Definitiv. Gibt es auch nicht mehr viel davon. 

 

Verkostungsnotizen zu den Kakao-Nibs mit der Benromach Organic Special Edition finden Sie unter der Rubrik  „Verkostungsnotizen“.

 

Genauere Informationen über Das Bernsteinzimmer finden Sie hier:

https://dasbernsteinzimmer.com/

 

Interview von Manu

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