Interview mit Julius Vosloh, Sauerländer Edelbrennerei

Wann fiel die Entscheidung Whisky zu brennen und warum?

 

Das ist lange, lange her. Wir kommen eigentlich aus der Obstbrennerei und damit hat es angefangen. Unser Gründer Ulrich Wolfkühler hatte eines Morgens mal Kopfschmerzen und hat irgendwann gesagt: Jetzt machen wir das selber. So ist das eigentlich geboren. Also früher eben mit Obst gearbeitet und auch aus persönlicher Vorliebe.

 

Er war regelmäßig in Schottland und hat neben anderen Destillaten auch immer schon gerne Whisky getrunken. Und so führte eines zum andern. So um 2004/2005 fing er dann an, damals noch im Räucherofen und was nicht noch alles für Experimente, den ersten Whisky zu machen. Das, was man damals im experimentellen Anlauf versucht hatte, ging erstmal reichlich in die Hose. Die Flaschen von damals kaufen wir heute wieder zurück, weil die so torfig sind, dass es einem Biss in den Eichenschrank gleicht.

 

Aber zehn Jahre später, 2014 dann, haben wir unseren Mc Raven gefunden. Den Charakter so festgelegt: Das isser! Das ist unser Mc Raven. Die Thousand Mountains lehnen an die tausend Berge des Sauerlandes an. Was das angeht, sind wir eine regionale Geschichte. Das Mc Raven ist auf der einen Seite mit dem Mc eine Hommage an die Schotten, weil wir einfach sagen, das sind unsere Wurzeln, da kommt alles her, warum sollen wir uns dahinter verstecken? Auf der anderen Seite haben wir den Raben. Das ist eine Schöpfung von Otmar Alt, einem der berühmtesten deutschen Künstler. Lebt auch noch, ist regelmäßig bei uns in der Brennerei. Dort haben wir eine schöne Otmar-Alt-Ecke, denn er ist auch eine der Herrschaften, die damals mit auf Tour gegangen sind, also ein Kumpel unseres Gründers. Als er unsere ersten Etiketten gesehen hat, hat er gefragt, ob wir bescheuert sind und hat dann angefangen, auf jede einzelne Flasche ein kleines Kunstwerk zu zeichnen. Man muss also gar nicht riechen, schmecken, lesen was drin ist, sondern man sieht es eigentlich schon an den kleinen Bildern. Und so hat er eben für jede einzelne Flasche etwas individuelles kreiert. Der Rabe ist unter anderem unser Logo, quasi eine sinnbildliche Fügung.

Otmar Alt saß auf unserer Veranda, wo wir einen großen Mammutbaum haben. Mit einem Mal stieg dort ein Rabe auf und für Otmar Alt war das ein Zeichen. Er dachte, das ist ein weiser Vogel, ein intelligenter Vogel und wie der Freigeist so tickt, hat er angefangen, Raben zu zeichnen. Und das in sämtlichen Formen, Skulpturen, Fenstern, also nicht nur in Bildform, sondern auch in den wildesten, abstraktesten Kunstobjekten. Und so entstand das Layout.

 

Wie ging es dann weiter?

 

2012 haben wir ein altes Sägewerk gekauft, da mit unserer Menge an Whisky irgendwann die Doppelgarage geplatzt ist. Wir haben das Sägewerk restauriert, eine zweite große Anlage dazugestellt, die in der Dimension aktuell das Sechs- bis Siebenfache schafft. Und so haben wir jetzt die Möglichkeit, das, was unsere Gründerväter eines Tages angestoßen haben, in die Welt zu tragen.

 

Wie fühlt sich das an?

 

Es ist unglaublich. Das sind Produkte, die sich fünfzehn, zwanzig Jahre entwickelt haben. Das kann sich kein wirtschaftliches Unternehmen erlauben. Das war damals tatsächlich für die eigene Geselligkeit gedacht.

 

Was fasziniert Sie an Whisky?

 

Die Vielfalt. Es ist die Vielfalt. Ich selbst wurde im Urlaub angefixt. Es gab Mottotage. Und unsere Whisky-Freunde, die bereits länger mit der Materie zu tun hatten, haben jeden Abend ein Motto aufgebaut. Mal deutsche Whiskies, mal was günstiges, mal was teures, mal was rauchiges. Aber immer innerhalb einer Kategorie mit unterschiedlichen Geschmäckern. Und dann ist es geschehen. Wir saßen dort jeden Abend, haben durchprobiert und es waren immer wunderschöne Abende. Böse formuliert, hätte es auch mit Wein passieren können, dass ich dafür solch eine Faszination entwickle. Ich komme eigentlich aus der Brauerei, also habe IT bei Warsteiner gelernt. Jetzt also ein paar Prozente mehr, aber es ist einfach eine Leidenschaft daraus entstanden.

Wir gehen auch nicht jeden Tag zur Arbeit, sondern wir verbringen dort unsere Tage. Wir haben uns ein Arbeitsumfeld geschaffen, das uns einfach Spaß macht. Und nur so können wir das auch in die Welt tragen. Denn die Leidenschaft, die wir dort reinstecken, die müssen wir auch präsentieren. Deswegen quatsche ich auch immer gerne darüber und es wird wirklich sehr gut angenommen.

 

Was habt ihr mit eurem Produkt bereits erreicht?

 

Wir sind mittlerweile international ausgezeichnet. Für den internationalen Wein- und Spirituosen Contest haben wir unseren Whisky nach London geschickt und konnten dort als einzige deutsche Brennerei eine Silbermedaille gewinnen. Gold ging gar nicht nach Deutschland. Steinhauser hat noch Bronze mitgenommen, aber das war's.

Faktisch haben wir damit Deutschlands besten Single Malt in der Klasse ohne Altersangabe. Dieses Feedback war für uns als Newcomer in diesem Bereich unheimlich wichtig, da wir alle unsere Jobs quasi abgebrochen haben, um uns etwas Eigenes aufzubauen. Und wenn man dann solch eine Rückmeldung bekommt, dann macht das auch wieder Mut für die nächsten Tage.

 

Was können Sie mir über Ihren prämierten Whisky erzählen?

 

Wir gehen da weg vom Standard. Wir haben schon früh damit begonnen im Labor eine Rezeptur zu entwickeln, die rekonstruierbar ist. Dazu waren wir bei einer großen befreundeten Brauerei in unserer Nähe und durften dort auf Labortechnik zurückgreifen. Unter diesen professionellen Bedingungen sieht man dann eigentlich erst, was mit den Aromen passiert, wenn ich beispielsweise die Temperatur verändere. Wie kann ich also die Aromen halten? Denn das ist es schlussendlich, um was es geht: Die Vielfalt der Aromen und die Komplexität, die ich am Ende des Tages im Whisky habe. Da hatten wir natürlich großes Glück, dass wir das Labor nutzen konnten, sodass wir heute auf der einen Seite eine festgeschriebene Rezeptur besitzen und auf der anderen Seite ein eigenes Produktionsverfahren entwickelt haben, das sogenannte Bypass-Verfahren. Unsere Anlagen sind Sonderkonzeptionen, die es so sonst nirgendwo gibt. Beim Bypass-Verfahren wird zwar noch kein Alkohol erzeugt, jedoch werden bereits Aromen destilliert. Und diese Aromen wollen wir nicht durch die Kolonne schicken, weil sie dort schlichtweg verbrannt werden würden. So schaffen wir es, nach einmaligem Brennen, bereits einen New Make zu haben, der schmeckt. Wenn man da nach Schottland geht, wird es schon eher schwierig einen zu finden der schmeckt.

Aber unseren kann man wirklich gut trinken. Deswegen ist er auch nach drei, bzw. viereinhalb Jahren schon so rund. Und darf sich zwischen ältere Whiskies stellen, ohne aufzufallen.

 

Zur Flasche selbst: Alles Handarbeit. Ein Echtholzfurnier-Etikett. Es ist nicht nur ein Single Malt, sondern tatsächlich auch eine Single Cask-Abfüllung. Das ist die Liebe, die wir unserem Produkt mitgeben. Wir reifen – auch hier vom Standard weg – erst in toskanischen Rotweinfässern. Dort haben wir ein befreundetes Weingut, wo wir persönlich und vor Ort aussuchen und im besten Falle mit einem voll beladenen LKW die Heimreise antreten. Es sind also frisch entleerte toskanische Rotweinfässer, in denen ein schwerer Chianti-Wein lag.

Im ersten Jahr – deswegen auch die dunkle Farbe – bekommt er so schon einen unheimlich tollen Grundcharakter, eine Spritzigkeit, eine Vollmundigkeit mit, die wir dann über die Lagerung in frisch getoasteten Kentucky Bourbon-Fässern abschließen. Er muss eben seine drei Jahre voll machen. Im Moment haben wir das Problem, dass so viel nachgefragt wird, dass es schwierig ist, älter zu werden. Aber Gott sei Dank, arbeitet unsere neue Anlage. In zwei Jahren sollten wir also von allem in Hülle und Fülle am Lager haben.

 

Das ist eben die Szene, die in Deutschland gerade explodiert. Damit haben wir alle „Probleme“, denn es sind ja keine Probleme, sondern es ist ein gutes Zeichen, wenn es überall gut läuft. Wir haben in eine Nische gestoßen und es wird super angenommen.

 

Wo seht ihr euch und euren Whisky in zehn Jahren?

  

Ganz klar international. Wir werden über die nächsten ein bis zwei Jahre noch Deutschland bespielen, sodass wir da in die Gastronomie gehen. Einzelhandel weniger, dann eher die Fachhändler. Man wird uns niemals irgendwo im Lidl auf Fußhöhe finden. Das ist nicht unser Antrieb. Bei uns sind wir im Premium-Segment. Man sieht auch, dass wir uns mit den Thousand Mountains bereits im englischsprachigen Raum befinden und damit ist der Weg im Prinzip schon vorgeebnet, sodass man sich mit seinem Whisky auf internationaler Ebene präsentiert. Und das wird bereits in circa drei Jahren starten. Wir haben schon recht konkrete Pläne. Und wenn man sich in zehn Jahren mit Whisky beschäftigt, dann wird es keinen Weg mehr an unserem Thousand Mountains Mc Raven vorbei geben.

 

Verkostungsnotizen zum Mc Raven finden Sie unter der Rubrik „Verkostungsnotizen“.

 

Genauere Informationen über die Sauerländer Edelbrennerei finden Sie hier:

https://sauerlaender-edelbrennerei.de/

 

Interview von Manu

Kommentar schreiben

Kommentare: 0