Interview mit Immanuel Gruel, Tecker Whisky

Wann haben Sie begonnen Whisky zu brennen und warum?

 

Wir haben 1989 angefangen Whisky zu produzieren. Der Grund war das Erbe meines Großvaters durch dessen Schwiegervater. Das heißt, er hat durch den Betrieb des Schwiegervaters eine zweite Brennerei zur Verfügung gestellt bekommen und meinte, es mache keinen Sinn, in einer Gemeinde mit guten 3.000 Einwohnern, bei aktiven fünfzig Obstbrennereien, noch mehr Obstbrände herzustellen. So war der Weg in eine andere Richtung naheliegend.

Den Weg zum Whisky hat er gewählt, weil er im Jahre 1979, also zehn Jahre vor Produktionsbeginn, das erste Mal in Schottland auf dem Whisky-Trail war und sich dort vom Thema Whisky hat infizieren lassen. Zehn Jahre später war es dann soweit und er begann damit, Whisky zu produzieren.

 

Wo sehen Sie den Whisky und damit verbunden Ihr Unternehmen in zehn Jahren?

 

Ich denke die Größe wird sich aller Wahrscheinlichkeit nach so halten wie sie heute ist. Unser Ziel ist es gar nicht unbedingt, groß zu werden. Es gibt sehr viele Brennereien, die in den letzten Jahren sehr groß gezogen haben, nicht nur bei uns, sondern auch international.

Ich weiß nicht, ob der Trend zur großen Quantität jedem Einzelnen unbedingt zum Ziel werden muss. Unseres ist eher, unsere Größe beizubehalten und mit etwas besonderem, mit Alleinstellungsmerkmalen dazustehen. Aber das, was wir die letzten fünfzehn Jahre unserer Geschichte bereits geschafft haben, nämlich die Whiskies qualitativ nach oben zu schaffen, von dem hoffe ich, dass es uns auch künftig gelingen wird. Die Altersangaben im Schnitt noch weiter nach oben zu schieben und uns durch unsere gute Qualität einen Namen zu machen.

 

Woher beziehen Sie Ihre Fässer?

 

Mittlerweile kommen alle Fässer von typischen Fasslieferanten, wie von Eder zum Beispiel. Die Wege sind für kleine Brennereien wie uns zu steinig, als dass wir in Ursprungsländern wie Spanien oder Portugal, die Fässer einzeln beziehen könnten. Das wäre zwar eine nette Geschäftsreise wegen zehn Fässern, aber das ist definitiv unwirtschaftlich. (lacht)

 

Wir fahren einfach mit Auto und Anhänger zum Händler, suchen uns die Fässer aus, machen ein Kreuz dran, und laden auf.

 

Wenn Sie außerhalb Ihres eigenen Sortiments Whisky trinken, welcher kommt Ihnen dann am liebsten ins Glas?

 

Ich bin ein sehr diversifizierter Whisky-Trinker. Ich trinke beinahe alles, was es gibt. Vom Glenmorangie, bis zum Octomore – ich mag eigentlich alles. Natürlich gibt es Marken, die man über die Jahre hin präferiert, einfach, weil einem die Range besonders gut gefällt oder weil beispielsweise eine besonders gute Destillatqualität dahinter steht. Ich als Brenner, der sich mit dem Thema „Was geht beim Destillat an Qualität rauszuholen?“, auseinandersetzt, bin ein Fan von Glenmorangie, weil sie einfach sehr saubere Destillate produzieren. Aber ich trinke genauso gerne mal einen Hibiki. Also ich bin da komplett offen, auch für die amerikanische Szene.

 

Eifert man den „großen“ Brennereien nach oder versucht man sich ausschließlich auf das eigene Produkt zu konzentrieren?

 

Ja und nein. In irgendeinem Sinne eifert man natürlich immer nach. Wir sind mit knapp dreißig Jahren Tradition hinter zweihundert Jahren weit hinterher. Und wenn wir nicht – und das hat mein Senior sehr gut gemacht – wenigstens versuchen würden, uns an den gängigen Produkten entlangzuhangeln und denen ein klein wenig nachzueifern, dann hätten wir kein Getränk in der Flasche, das der Kunde als Whisky wahrnimmt und für das er auch nicht nur ein offenes Ohr, sondern einen offenen Geldbeutel hat. (lacht)

Andernfalls stellt man sich so etwas nicht ins Haus. Es muss also Whisky-affin sein. Da geht es um langjährige Fasslagerung, da geht es um Getreide-Destillat und dann kann jeder durch sein eigenes Mikroklima, durch den Standort der Brennerei und durch die Fasswahl die Unterschiede generieren. Und ich glaube, dass wir da schon so weit sind, dass jeder hier in der Region sein eigenes Produkt hat. Wir haben hier auf der Slow Food Messe über 80 verschiedene Sorten Whisky in der Whisky-Thek stehen und keine gleicht der Anderen.

 

Möchten Sie künftig ein regionales Unternehmen bleiben oder auch überregional bis hin zu international werden?

 

Der internationale Weg ist definitiv nicht unserer. Wir sind momentan stark regional vertreten. Eine gewisse Überregionalität wird sich in den nächsten Jahren einfach durch die Anerkennung der Kundschaft von allein ergeben. Momentan ist Whisky in Deutschland ein noch sehr regional-patriotistisches Produkt. Der Schwabe kauft schwäbisches, der Bayer kauf bayrisches Produkt und so weiter. Es wird noch ein paar Jahre dauern, bis die Leute merken, dass Deutschland eine „Suppe“ ist und niemand dem Andern neidisch sein muss, wenn er hier oder dort kauft, so wie in Schottland die Regionen vorherrschen und nicht der Highlander nur ein Highland-Getränk konsumiert.

 

Deswegen denke ich, dass Überregionalität unser Ziel ist, möglicherweise auch mal deutschlandweit, in Richtung flächendeckend, aber mehr ist nicht geplant.

 

Gibt es so etwas wie eine deutsche Whisky-Familie?

 

Ich denke, die deutsche Whisky-Familie muss sich noch finden. Es ist momentan noch diese Entwicklungsphase, diese Entstehungsphase; wir genauso, wie eine Destillerie „Blaue Maus“ zum Beispiel oder wie ein Thomas Dannenmann, gehören schon zu den alten Hasen in Deutschland. Für uns gab es mal eine Whisky-Familie, die aber in den letzten zehn Jahren komplett über den Haufen geworfen wurde, weil schlicht dreihundert neue Betriebe hinzugekommen sind. Bis sich dort die Spreu vom Weizen trennt, wird noch ein weiteres Jahrzehnt vorbeigehen müssen. Wer bleibt dabei, wer hat auf dem Markt eine Chance und fasst Fuß, wer steigt wieder aus, weil es einfach auch ein Long-Term-Invest ist, den nicht jeder unbedingt bis zum Ende gehen kann. Entweder, weil er sich übernimmt oder weil er keine Lust mehr darauf hat so viel Geld zu vergraben. Bis man weiß, wer immer noch eine Präsenz auf dem Markt hat, auch wenn ein Hype mal endet, wird es noch einige Zeit dauern.

 

Welchen Whisky aus Ihrem Sortiment können Sie besonders Empfehlen?

 

Das ist unsere gestern (20.04.2017, anm. d. Verf.) veröffentlichte Abfüllung, ein zehn Jahre alter Whisky in Fassstärke mit 60,4 Volumenprozenten, aus einem französischen Rotwein-Barrique. Dieser Whisky ist einfach eine Fruchtbombe. Er hat unheimlich viel Intensität in der Nase. Mit über 60 Volumenprozenten natürlich auch kein Pappenstiel, folglich auch nicht unbedingt für einen Einsteiger geeignet.

All unsere Whiskies sind relativ elegante, fruchtige und eher liebliche Whiskies. Wir haben keinen getorften oder andersweitig geräucherten Whisky im Sortiment. Wir orientieren uns da eher an den Gaumenschmeichlern und daher wäre unsere Fassstärke auch meine Wahl, wenn ich jetzt einen Whisky trinken würde.

 

Sollte man Fassstärken-Whiskies immer verdünnen?

 

Das kann man allgemein nicht sagen. Es kommt auf die Fassstärke an. Bei Whiskies unter 50 oder um die 50 Volumenprozenten trinke ich persönlich sehr gerne pur. Bei allem, was in die Richtung 60 oder über 60 Volumenprozenten geht, bin ich ein Verfechter davon, immer erst pur zu trinken und dann die Entscheidung zu fällen, ob ich verdünnen möchte oder nicht. 

 

Verkostungsnotizen zu den Whiskies von Tecker finden Sie im Bereich "Verkostungsnotizen".

 

Genauere Informationen über Tecker Whisky finden Sie hier: 

http://www.manufaktur-gruel.de/start.html

 

Interview von Manu

Kommentar schreiben

Kommentare: 0