Interview mit Herbert Senft von Edelbrände Senft am Bodensee

Wann fiel die Entscheidung Whisky zu brennen und warum?

 

Die Entscheidung fiel vor zehn Jahren (2007, anm. d. Verf.). Mein eigentlicher Beruf ist Kellermeister. Wir waren die Ersten in Deutschland, die Secco hergestellt haben und so kamen wir irgendwann auf die Idee Whisky zu brennen. Wir haben eigenes Getreide und somit war uns der Start ein leichter.

 

Was fasziniert Sie an Whisky?

 

Ganz einfach: Whisky wird einerseits weltweit getrunken und ist andererseits sehr facettenreich. Man hat sozusagen alle Möglichkeiten.

 

Wo sehen Sie die Sparte Whisky in Ihrem Unternehmen in zehn Jahren?

 

Ich denke, dass sich unser Whisky durch seine Weichheit von anderen Whiskies abhebt. Zudem ist Whisky die weltweite Nummer eins wenn man sich anschaut, was getrunken wird und warum sollten wir in Deutschland keine Chance darin sehen, hier eine Marktlücke zu füllen?

Außerdem glaube ich, dass die Regionalität mehr und mehr in den Vordergrund und somit ins Bewusstsein des Verbrauchers rückt. Und wir merken, dass wir in der Zwischenzeit von den Whisky-Trinkern immer ernster genommen werden.

Ich denke, dass wir bei uns in Deutschland einen guten Markt finden werden. Leider haben wir ein wenig Probleme damit, unser Produkt ins Ausland zu versenden, da wir es in Deutschland entsteuern und im Ausland wieder besteuern müssen. Wir sind an der schweizer Grenze. Die Kunden dürfen also einen Liter mit über die Grenze nehmen, mehr ist nicht gestattet. Es ist einfach schade, dass uns hier von der steuerlichen Seite die Hände gebunden sind.

Im schweizer Grenzgebiet hätten wir ansonsten einen super Markt, aber es ist einfach nicht machbar.

 

Würden Sie sich andernfalls das Ziel setzen auch überregional oder außerhalb Deutschlands Ihren Whisky anzubieten?

 

Eigentlich nicht, eher deutschlandweit. Die Schweiz wäre für uns wie gesagt sehr interessant, da dort der Whisky fast doppelt so teuer ist wie bei uns.

 

Wenn Sie außerhalb Ihres eigenen Sortiments Whisky trinken, welcher kommt Ihnen dann am liebsten ins Glas?

 

Also Momentan verkoste ich am liebsten deutsche Whiskies, besonders die meiner Kollegen; ich sag's wie's ist. (lacht)

 

Gibt es denn von den deutschen Whiskies einen, der Ihnen besonders zusagt?

 

Ja! Und zwar der Whisky von Tecker. Der schmeckt mir wirklich super.

 

Woher beziehen Sie denn Ihre Fässer?

 

Wir haben Rotwein-Fässer, die kommen beispielsweise vom Weingut Huber in Malterdingen oder vom Weingut Abril, ebenfalls am Kaiserstuhl angesiedelt und aus Bischoffingen. Das wären mal die Rotwein-Fässer.

Die Bourbon- und Sherry-Fässer kaufen wir bei Eder in der Pfalz. Eder ist ein großer Händler, zu dem wir direkt hingehen und an den Fässer riechen können und so haben wir die Möglichkeit, direkt vor Ort zu bestimmen, welche Fässer für uns in Frage kommen und welche nicht.

 

Beschreiben Sie uns doch mal Ihren eigenen Whisky.

 

Was unseren Whisky hervorhebt ist ganz einfach seine Weichheit, die wir bereits mit dem Brennvorgang bewusst in den Whisky einfließen lassen. Dies geschieht, in dem wir das Hauptaugenmerk auf den Mittellauf richten. Vor- und Nachlauf werden bei uns vom Zoll vernichtet. Das ist amtlich, das ist niedergeschrieben und dadurch haben wir schlicht eine gute Weichheit. Wir haben eine herkömmliche Brennerei mit fünf Böden und somit ist der Whisky bereits weich, wenn er die Brennerei verlässt.

Dazu kommt noch der Faktor des Fasslagers. Das ist das A und O. Wir sind versucht auch einen acht- oder zehnjährigen abzufüllen. Aber dadurch, dass wir uns in den ersten Jahren so gut auf dem Markt etablieren konnten, blieb nicht viel übrig, um etwas auf die Seite zu legen. (lacht)

Aber wir sind dran. Wir arbeiten dran.

 

Wie Sie eben erwähnten, werden sowohl Vor- als auch Nachlauf vernichtet und nicht etwa, wie in schottischen Brennereien üblich, noch einmal verwendet...

 

Genau. Vor- und Nachlauf werden vernichtet. Grund dafür ist, dass wir aus der Obstbrennerei kommen. In dieser Branche werden Vor- und Nachlauf nicht verwendet. Fertig aus. Wir haben eine Verschlussbrennerei. Dies bedeutet, dass sowohl Vor- als auch Nachlauf in einen geschlossenen Raum laufen, auf den wir selbst keinen Zugriff haben. Irgendwann steht dann der Zoll vor der Türe und vernichtet die Überbleibsel.

Es handelt sich hier um 25 Prozent der produzierten Menge. Und daher denke ich, dass unser deutscher Whisky einfach weicher ist. Nach vier, fünf Jahren bemerkt man diese Weichheit bereits deutlich.

 

Welchen Anteil hat Whisky im Vergleich zu anderen Produkten Ihrer Brennerei?

 

Also offen gestanden ist es Momentan noch der Williams. (lacht)

Der liegt an Nummer eins. Das ist einfach deshalb so, weil wir acht Hektar Williams im eigenen Anbau haben.

Whisky, Rum und Gin halten sich eigentlich die Waage. Unser Rum ist zur Zeit richtig in. Aber ich denke, dass es ziemlich genau je ein Drittel ausmacht.

Ehrlich gesagt legen wir den Schwerpunkt momentan auf den Rum, weil es einfach ein neues Kind ist. Und dann vernachlässigt man die anderen Produkte ein wenig im Verkauf. (lacht)

 

Sie sind ein Familienbetrieb. Wie viel Leute arbeiten denn aktuell bei Ihnen im Unternehmen?

 

Eigentlich sind wir zu dritt. Aber für die Ernte haben auch schon bis zu fünfzehn Aushilfskräfte bei uns mitgearbeitet.

 

Verkostungsnotizen zum Whisky von Senft finden Sie unter der Rubrik „Verkostungsnotizen“.

 

Genauere Informationen über die Brennerei Senft finden Sie hier:

http://edelbraende-senft.de/

 

Interview von Manu

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